Soll ich mir vorher eine andere Verhandlung meines Richters anschauen?

Auch dazu würde ich durchaus raten. Dann kennt man die Art des Richters und kann einschätzen, wie er auf bestimmte Verhaltensweisen reagiert.

Über die Geschäftsstelle des Gerichts kann man leicht herausfinden, wann der Richter, der in der Ladung steht, vorher noch andere Verhandlungen durchführt. Allerdings sollte man keinesfalls den Verdacht hervorrufen, man wolle den Richter beeinflussen.

Erhalte ich eine Entschädigung für das Verfahren, wenn ich unschuldig bin?

Für das Verfahren an sich gibt es normalerweise – über ggf. die Kostenerstattung hinaus – keine Entschädigung, für Verdienstausfall durch die Hauptverhandlung und die Untersuchungshaft dagegen schon. Entschädigung für Zeitversäumnis wird gemäß § 464a Abs. 2 Nr. 1 StPO nach dem Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG) gewährt. Für Haftzeiten wird zudem eine minimale Entschädigung von 25 Euro pro Tag für immaterielle Schäden gezahlt. Näheres dazu steht im Gesetz über die Entschädigung für Strafverfolgungsmaßnahmen (StrEG).

Verbessert es meine Chancen, wenn ich mehrere Anwälte habe?

Nicht wirklich. Zwar ist es möglich, bis zu drei Anwälte zu engagieren (http://beschuldigten-notruf.de/2014/11/kann-ich-auch-mehrere-anwaelte-haben/), allerdings bedeutet das nicht, dass die Verteidigung dadurch zielführender oder erfolgversprechender ist. Denn die Anwälte können sich die Arbeit nur in geringem Maße teilen, über die wesentlichen Verfahrensentwicklungen müssen sich alle Verteidiger persönlich auf dem Laufenden halten. Nur bei wirklich komplexen Fällen kann es ratsam sein, einzelne Aufgaben auf verschiedene Anwälte zu verteilen.

Darf ich den Anwalt während des Verfahrens wechseln?

Ja, jeder Beschuldigte muss selbst wissen, ob er seinen Anwalt lieber wechselt, wenn er mit dem bisherigen nicht zufrieden ist. In der Hauptverhandlung kann es aber passieren, dass das Gericht den soeben entlassenen Wahlverteidiger zum Pflichtverteidiger ernennt, wenn ein Fall der notwendigen Verteidigung vorliegt und kein anderer Anwalt zur Verfügung steht, um das Verfahren zügig fortzusetzen.

Kann einem Jugendlichen vor Gericht wirklich nicht viel passen?

Das kommt darauf an. Zunächst muss man unterscheiden:

  • Kinder unter 14 Jahren sind strafunmündig und können nicht verurteilt werden. Allerdings sind Maßnahmen des Jugendamts oder des Familiengerichts möglich.
  • Jugendliche zwischen 14 und 18 unterliegen dem Jugendstrafrecht.
  • Heranwachsende zwischen 18 und 21 unterliegen je nach Reifegrad dem Jugend- oder dem Erwachsenenstrafrecht.

Das Jugendstrafrecht legt mehr Wert auf die Erziehung und weniger auf die Bestrafung. Daher gibt es vielerlei erzieherische Maßnahmen, die aber auch äußerst unangenehm sein können. Und auch, wenn die Mindeststrafen des allgemeinen Strafrechts nicht gelten, ist trotzdem eine längere Freiheitsstrafe (Jugendstrafe) möglich.

Insgesamt sind zwar die Urteile der Jugendgerichte milder, sie können aber trotzdem sehr einschneidend sein.

Eine bestimmte Strafnorm verstößt gegen Grundrechte. Muss ich sie trotzdem beachten?

Prinzipiell nicht, da ein solches Urteil dann verfassungswidrig und damit nichtig wäre.

Aber: Trauen Sie sich diese Einschätzung wirklich zu? Die Frage der Verfassungswidrigkeit ist oft sehr schwer zu klären und die einzig bindende Entscheidung obliegt dem Bundesverfassungsgericht. Wie dieses dann entscheidet, lässt sich kaum vorhersehen. Das Risiko, dass Sie mit ihrer Ansicht falsch liegen und einem Verbotsirrtum unterliegen, tragen Sie dann selbst.