Was ist eine Urkundenfälschung?

Urkundenfälschung liegt vor, wenn man die in einer Urkunde verkörperte fremde Gedankenerklärung verfälscht. Die Frage ist also nicht, ob in einer Urkunde etwas inhaltlich Richtiges steht. Es kommt vielmehr darauf an, ob dem Aussteller der Urkunde eine Erklärung untergeschoben wird, die er so nicht abgegeben hat.

Beispiel: Ein volljähriger Schüler schreibt für sich selbst eine Entschuldigung wegen Krankheit, obwohl er an dem bewussten Tag kerngesund war und nur keine Lust auf die Schule hatte. Es handelt sich um keine Urkundenfälschung. Denn der Aussteller der Urkunde (der Schüler selbst) wollte ja gerade diese Willenserklärung („Ich war krank“) abgeben. Hier wurde nichts gefälscht, sondern nur etwas Falsches erklärt.

Gegenbeispiel: Eine minderjährige Schülerin war an einem bestimmten Tag tatsächlich krank und dementsprechend nicht in der Schule. Blöderweise vergessen ihre Eltern, ihr eine ordnungsgemäße Entschuldigung zu schreiben. Am letzten Tag der Nachreichungsfrist fällt ihr plötzlich ein, dass sie noch dieses Entschuldigungsschreiben braucht. Kurzentschlossen füllt die das Formular selbst aus und macht die Unterschrift ihrer Mutter nach. Das ist eine Urkundenfälschung, denn der angegebene Aussteller hat diese Urkunde nicht erstellt. Dass die Krankschreibung inhaltlich richtig war, spielt keine Rolle.

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