Was bedeutet kumulative Kausalität?

Kumulativ kausal sind zwei Ursachen, die unabhängig voneinander gesetzt wurden und nur zusammen ein bestimmtes Ergebnis herbeiführen.

Beispiel: Ein Schüler dreht nach dem Chemieunterricht zum Spaß eine Gasflasche auf. Dieses Gas hätte nur üblen Geruch herbeigeführt, passiert wäre nichts. In der Klasse gibt es aber noch einen anderen Spaßvogel, der vom ersten Schüler nichts weiß und selbst eine Flasche eines anderen Gases aufdreht. Beide Gase zusammen ergeben ein hochexplosives Gemisch, das das Klassenzimmer völlig zerstört.

Nach der Conditio-sine-qua-non-Formel sind beide Handlungen kausal für die Explosion (§ 308 StGB) gewesen. Wie dies rechtlich zu bewerten ist, ist bisher kaum geklärt – zu selten sind solche Fälle in der Realität und zu unterschiedlich sind die Konstellationen. Hier stellt sich bspw. die Frage, ob die Täter es zumindest billigend in Kauf genommen haben, dass ihr Gas jeweils auch alleine eine Explosion auslöst.

Nach wohl herrschender Meinung entfällt die objektive Zurechnung des Taterfolgs, da der Täter nicht mit dem Tatbeitrag des Dritten rechnen kann.