Soll ich Zeugen, die gegen mich aussagen werden, vorher kontaktieren?

Keinesfalls.

Auch, wenn Sie diese mit durchaus legitimen Absichten aufsuchen wollen, sollten Sie unbedingt davon Abstand nehmen. Dies wird Ihnen mit absoluter Sicherheit als Versuch einer unrechtmäßigen Beeinflussung, vielleicht sogar als strafbare Anstiftung zu einer Falschaussage bzw. Nötigung ausgelegt.

Unter Umständen kann das sogar bedeuten, dass Sie in Untersuchungshaft genommen werden, weil Verdunklungsgefahr besteht.

Sollten Sie der Meinung sein, Sie müssten einem Zeugen unbedingt etwas mitteilen, dann reden Sie auf jeden Fall mit Ihrem Verteidiger. Er weiß eher, wie man den Kontakt herstellen kann, ohne dass ein schlechtes Licht auf Sie fällt. Und er wird Ihnen je nach Situation auch ganz davon abraten – hören Sie dann auf ihn!

Was bedeutet Kettenanstiftung?

Kettenanstiftung ist die Anstiftung eines Anstifters.

A bittet B, den C zu bitten, eine Straftat zu begehen. Dann ist C als Täter strafbar und B als Anstifter des C. Da der Anstifter aber gleich dem Täter bestraft wird, hat auch A einen „Täter“ angestiftet und ist genauso strafbar.

Übrigens wird der Kettenanstifter im Urteil normalerweise nur wegen „Anstiftung zum Diebstahl“ (oder um welche Tat es eben geht) verurteilt, nicht wegen „Anstiftung zur Anstiftung zum Diebstahl“.

Was bedeutet Umstiftung?

Umstiftung ist die Anstiftung zu einer anderen als der ursprünglich geplanten Tat.

Beispiel: A ärgert sich über seine Kündigung und will daher an seinem letzten Arbeitstag einige Computer seines Arbeitgebers mitgehen lassen. B hält das für eine blöde Idee und meint, A solle doch lieber Flugblätter verteilen mit dem Inhalt, sein Arbeitgeber beschäftige Schwarzarbeiter.

A hat also auf Bs Aufforderung statt eines Diebstahls eine Verleumdung durch Verbreiten von Schriften begangen. Beide Taten sind Vergehen und die §§ 242 und 187 drohen sogar das gleiche Strafmaß an. Es handelt sich also weder um eine Abstiftung noch um eine Anstiftung.

Nach allgemeiner Ansicht hat sich B trotzdem der „normalen Anstiftung“ zur Verleumdung schuldig gemacht. Schließlich hat er durch seinen Rat eine ganz neue Form von Unrecht verursacht. Dass A sowieso eine Straftat (allerdings eine ganz andere) begehen wollte, kann bei der Strafzumessung berücksichtigt werden.

Was bedeutet Abstiftung?

Die Abstiftung ist das Gegenteil der Aufstiftung. Eine zur Tat entschlossene Person wird dazu gebracht, ein weniger schweres Delikt zu begehen.

Beispiel: A will aus Rache das Haus des C anzünden. B beschwichtigt ihn jedoch und meint, dass ein eingeworfenes Fenster völlig ausreichend sei.

Hier wollte A eine schwere Brandstiftung (§ 306a Abs. 1 Nr. 1 StGB) begehen. Diese ist mit Freiheitsstrafe von einem bis zu 15 Jahren bedroht. Demgegenüber stellt die bloße Sachbeschädigung ein viel leichteres Delikt dar, sie wird mit Geldstrafe oder mit Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren bestraft.

Hier liegt keine Anstiftung vor, da der „Anstifter“ ja dafür gesorgt hat, dass ein viel weniger schwerwiegendes Delikt verwirklicht wird. Er hat damit die Gefahr für das Opfer (z.B. durch den Brand einen riesigen Schaden zu erleiden oder gar im Feuer zu sterben) deutlich reduziert.

Denkbar ist allenfalls eine Bestrafung wegen psychischer Beihilfe.

Was bedeutet Aufstiftung?

Als Aufstiftung bezeichnet man es, wenn man jemanden dazu anstiftet, eine schwerere als die eigentlich geplante Straftat zu begehen.

Beispiel: A sagt zu B, dieser solle doch die Münzsammlung seines Nachbarn stehlen. B antwortet daraufhin, dass er das schon längst vorgehabt habe und in den nächsten Tagen losschlagen wolle.

A hat sich hier nicht wegen Anstiftung strafbar gemacht, weil B bereits dazu entschlossen war und dementsprechend nicht angestiftet wurde. Wenn jemand bereits zur Tat entschlossen ist („omnimodo facturus“), dann muss und kann man ihn nicht mehr anstiften.

Strafbar macht man sich aber, wenn man den entschlossenen Täter dazu bringt, ein schwereres Delikt zu begehen: Rät A dem B daraufhin, er solle doch sicherheitshalber eine Waffe mitnehmen, dann wird aus dem normalen Diebstahl auf einmal ein Diebstahl mit Waffen (§ 244 Abs. 1 Nr. 1 StGB), der deutlich höher bestraft wird.

A hat den B also nicht zum Diebstahl angestiftet, aber zum Diebstahl mit Waffen „aufgestiftet“. Er wird damit genauso bestraft wie jemand, der unmittelbar zum Diebstahl mit Waffen angestiftet hat. Dass der Täter das Grunddelikte sowieso begehen wollte, kann aber bei der Strafzumessung des Anstifters berücksichtigt werden.

Was bedeutet Anstiftung?

Nach § 27 StGB ist Anstifter, wer

vorsätzlich einen anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat bestimmt hat.

Dieses „Bestimmen“ hört sich zunächst so an, als wäre der Anstifter der überlegene Täter. Die Rechtsprechung sieht das anders, es reicht schon, wenn er den Tatentschluss in irgendeiner Form hervorruft. Dafür reicht in aller Regel ein bloßes Überreden, das Versprechen einer Belohnung o.ä. ist nicht notwendig. Drohungen sind ebenfalls ausreichend, sie können je nach Konstellation sogar dazu führen, dass nicht Anstiftung, sondern sogar mittelbare Täterschaft vorliegt.

Die Anstiftung ist von der Beihilfe und der Mittäterschaft abzugrenzen.

Was bedeutet Beihilfe?

Werfen wir zunächst einen Blick ins Gesetz:

§ 27 Abs. 1 StGB – Beihilfe

Als Gehilfe wird bestraft, wer vorsätzlich einem anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat Hilfe geleistet hat.

Dieses Hilfeleisten ist natürlich ein sehr weitgehender Begriff. Fast alles kann in irgendeiner Form einem anderen bei der Tatbegehung helfen. Insoweit ergibt sich schon mal eine Einschränkung, dass Vorsatz erforderlich ist. Der Gehilfe muss als wissen oder wollen, dass seine Handlung einen anderen bei Begehen einer Straftat unterstützt.

Problematisch ist dabei, dass auch die psychische Beihilfe unter Strafe steht. Darunter versteht man alles, was den Täter in seinem Tatentschluss bestärkt. Ein bloßes Anwesendsein am Tatort reicht aber nach allgemeiner Ansicht nicht aus.

Die Hilfe muss zwischen Vorbereitung und Beendigung der Haupttat erfolgen. Dabei ist die Gehilfe zu jeder Art von Straftat erfasst, egal ob Beleidigung oder Mord. Ob die Beihilfehandlung tatsächlich notwendig war, um die Tat begehen zu können, ist dagegen unerheblich. Jede Form der Förderung der Tat reicht aus.

Die Beihilfe muss man von der Mittäterschaft und der Anstiftung abgrenzen.

Kann man auch verurteilt werden, wenn man nicht selbst gehandelt hat?

Man muss in irgendeiner Weise gehandelt, aber nicht notwendigerweise jede Handlung der Straftat mit eigenem Händen ausgeführt haben. Man kann Mittäter, Gehilfe oder Anstifter sein. Man kann auch durch jemand anderen handeln, indem man diesen wie ein Werkzeug einsetzt und zur Tat dirigiert (mittelbare Täterschaft).

Und schließlich gibt es auch noch Unterlassungsdelikte, bei denen gerade bestraft wird, dass man nichts tut, z.B. bei der unterlassenen Hilfeleistung.