Als Beschuldigter zur Vernehmung geladen

Wenn Sie als Beschuldigter zur Vernehmung bei der Polizei geladen sind, sollten Sie keinesfalls aussagen. Dabei können Ihnen verschiedene Fehler unterlaufen, die in der Realität laufend vorlaufen. Für den Beschuldigten bedeutet dies dann, dass er sich unter Umständen selbst belastet hat und er dies im Laufe des Verfahrens nur mit großer Mühe oder auch gar nicht wieder korrigieren kann.

Sinnvoll ist es vielmehr, zunächst nichts auszusagen und über einen Anwalt Akteneinsicht nehmen zu lassen. Anschließend kann eine ausführliche und zielgerichtete schriftliche Stellungnahme erfolgen.

Mehr dazu finden Sie im anwalt.de-Artikel von Rechtsanwalt Thomas Hummel, Strafverteidiger aus München.

Wenn ich als Beschuldigter zum Anwalt gehe, verrät mir der dann die ganzen schmutzigen Tricks?

Nein.

Als Strafverteidiger kann man sich, auch, wenn man seinen Mandanten bestmöglich vertreten soll, der Strafvereitelung schuldig machen. So darf ein Anwalt weder selbst lügen noch seinem Mandanten zur Lüge raten. Auch darf er ihm nicht empfehlen, z.B. Beweismittel verschwinden zu lassen. Das ist etwas widersinnig, da der Beschuldigte selbst natürlich all das tun darf, da er sich nicht selbst belasten muss (nemo tenetur).

Der Anwalt darf seinen Mandanten dagegen darüber aufklären, welche Rechte er abstrakt hat. Wenn der Mandant also fragt, ob er lügen darf, darf und muss der Anwalt das korrekterweise mit ja beantworten. Will der Angeklagte dagegen gestehen, darf ihm der Anwalt nicht sagen „Lassen Sie das besser, bei der Beweislage werden Sie bestimmt freigesprochen“.

Was bedeutet eine Einstellung nach § 154 StPO?

Eine Einstellung nach § 154 StPO ist kein gutes Zeichen. Dieser Paragraph setzt voraus, dass ein Beschuldigter mehrere Straftaten begangen hat und es wahrscheinlich ist, dass er wegen der schwereren Tat(en) verurteilt wird. Daneben fällt dann ein weniger schwerer Vorwurf nicht ins Gewicht, sodass das Verfahren insoweit eingestellt wird.

Hat jemand beispielsweise eine Beleidigung und eine Vergewaltigung begangen, kann das Verfahren wegen ersterer ohne Weiteres eingestellt werden – freuen wird sich Betroffene darüber aber in aller Regel nicht.

Was ist ein Beschuldigter?

Beschuldigter ist derjenige, gegen den ein Strafverfahren eingeleitet wurde.

Im Sprachgebrauch der StPO ist man solange Beschuldigter, bis man rechtskräftig verurteilt oder freigesprochen wurden. Im allgemeinen juristischen Sprachgebrauch bezeichnet man jemanden aber nur als Beschuldigten, bis das Ermittlungsverfahren abgeschlossen ist, ab Anklageerhebung nur noch als Angeschuldigten bzw. später als Angeklagten.