Ist die Strafe geringer, wenn man eine schwere Kindheit hatte?

Nicht wirklich.

Auch, wenn das landläufig als der Prototyp eines mildernden Umstands gilt, kann man damit in aller Regel keinen Richter beeindrucken. Die familiäre Prägung kann im Rahmen der „persönlichen Verhältnisse“ gemäß § 46 Abs. 2 StGB bei der Strafzumessung durchaus Berücksichtigung finden, entscheidend ist sie höchstwahrscheinlich nicht.

Und selbst dafür reicht der allgemeine Hinweis auf eine „schwere Kindheit“ sicher nicht. Es müssten wenn dann schon ganz konkrete Gesichtspunkte geltend gemacht werden, aufgrund derer der Angeklagte immer noch ein gemindertes Rechtsverständnis zeigt oder ohne sein Verschulden in eine kriminelle Laufbahn hineingezogen wurde. Ein einfacher Hinweis darauf, dass man es immer schwer hatte, hilft da sicher nicht.

Man sollte auch die Finger davon lassen, allzu offensichtlich unsubstantiiertes Mitleid schinden zu wollen. Der Richter könnte sich da leicht – Entschuldigung – verarscht vorkommen. Oder, um es juristischer auszudrücken, er könnte auf die Idee kommen, dass der Angeklagte das Unrecht seiner Tat gar nicht einsieht oder sie gar bereut.

Ich hab den Schaden bezahlt, kann ich trotzdem noch verurteilt werden?

Ja. Wenn gegen Sie bspw. wegen Diebstahls oder Sachbeschädigung ermittelt wird, ist das Delikt vollendet und bleibt strafbar, auch dann, wenn der Schaden beglichen wurde. Allerdings ist eine Schadenswiedergutmachung immer vorteilhaft, denn

  • es können die Voraussetzungen des Täter-Opfer-Ausgleich vorliegen,
  • die Staatsanwaltschaft kann das Verfahren wegen geringer Schuld und mangelnde öffentlichen Interesses einstellen,
  • der Geschädigte kann deswegen seinen Strafantrag zurücknehmen und
  • das Gericht wird dies bei der Strafzumessung zugunsten des Täters berücksichtigen.

Andererseits stellt eine Ausgleichszahlung in aller Regel ein Schuldeingeständnis dar. Wie immer sollten Sie daher Ihren Anwalt konsultieren, bevor Sie leichtfertig auf eigene Faust handeln.

Soll ich gegen einen Strafbefehl Einspruch einlegen?

Das kommt ganz auf den Einzelfall an. Man muss sich folgende Fragen beantworten:

  • Hat der Beschuldigte die Tat wirklich begangen?
  • Wird man sie ihm im Verfahren nachweisen können?
  • Ist die Strafe im Strafbefehl niedrig, angemessen oder hoch?
  • Wie wird die Strafe ausfallen, wenn man in einer Verhandlung die Tat bestreitet oder der Anklage teilweise entgegentritt?
  • Welche Umstände hat die Staatsanwaltschaft gewertet und welche übersehen?
  • Ist man froh, dass die Sache vorbei ist?
  • Will man sich den Stress einer öffentlichen Verhandlung antun?
  • Stehen die zusätzlichen Kosten im Verhältnis zum zu erwartenden Erfolg?

All das muss man abwägen und oftmals geht das ohne anwaltlichen Rat nicht.