Warum ist man beim Rücktritt vom Versuch straffrei?

Der Rücktritt vom Versuch ist ein persönlicher Strafaufhebungsgrund. Die Schuld des Täters (nicht zwingend aber die des Anstifters, Mittäters oder Gehilfen) entfällt, damit kann er nicht mehr verurteilt werden. Dass das Gesetz diese Möglichkeit vorsieht, hat mehrere Gründe:

Zum einen soll das Opfer geschützt werden. Wenn der Täter die Möglichkeit hat, völlig straffrei aus der Sache herauszukommen, wird er eher davon Gebrauch machen. Ein Täter, der sich aber sowieso schon strafbar gemacht hat und daran nichts mehr ändern kann, wird die Tat dagegen eher zu Ende bringen.

Zudem muss es auch in irgendeiner Form honoriert werden, dass der Täter sich von selbst darauf besonnen hat, seine Tat lieber nicht zu vollenden. Dieser Täter muss auch nicht mit den Mitteln des Strafrechts sanktioniert werden. Und schließlich hat sich das Recht auch im Endeffekt durchgesetzt.

All diese theoretischen Überlegungen dürfen freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass es das Interesse des Täters ist, ganz einfach Straffreiheit für sich herbeizuführen. Das ist aber auch absolut legitim.

Was bedeutet „Rücktritt vom Versuch“?

Wer eine Straftat versucht, aber noch nicht vollendet hat, hat nach deutschem Recht die Möglichkeit, von diesem Versuch zurückzutreten. Dann wird er für den Versuch als solchen nicht bestraft.

Wie ein Rücktritt genau aussehen muss, ist schwer zu sagen und von verschiedenen Rahmenbedingungen abhängig. Grundsätzlich ist ein Rücktritt nur dann gegeben, wenn der Täter erfolgreich dafür sorgt, dass die geplante Tat nicht verwirklicht wird.

Sollten Sie jemals in dieser Situation sein, sollten Sie unbedingt jede weitere Handlung in Richtung Tatvollendung sein lassen, möglichst alle bisherigen Handlungen rückgängig machen und dafür sorgen, dass die Tatvollendung auch nicht auf anderem Weg eintreten kann.

Gerade bei komplexen Straftaten ist es leider oft sehr schwer, die richtige Handlungsweise festzustellen, zumal es in den seltensten Fällen möglich ist, dafür einen Anwalt zu konsultieren.

Wann ist die Vorbereitung strafbar?

Die Vorbereitung einer Straftat ist sehr selten strafbar. Es gibt keine allgemeine Vorschrift, dass alle Taten, deren Vollendung strafbar ist, auch im Vorbereitungsstadium bestraft werden können.

Dies gilt sogar für schwerste Straftaten wie Vergewaltigung und Mord. Nur für einige wenige Fällen ordnet das StGB an, dass schon die Vorbereitung geahndet werden kann, z.B. bei Ausweisfälschung, Kernenergieverbrechen oder Hochverrat.

Allgemein strafbar ist allerdings die gemeinsame Verabredung zu Straftaten. Das wiederum wird dadurch gemildert, dass die Strafbarkeit entfällt, wenn man von der Verabredung wieder Abstand nimmt („zurücktritt“), sodass die geplante Straftat nicht durchgeführt werden kann.

Sollten Sie unsicher sein, ob Sie sich möglicherweise schon auf eine strafbare Vorbereitung eingelassen haben, sollten Sie sofort anwaltlichen Rat einholen, um gemeinsam zu besprechen, ob dies tatsächlich der Fall ist und ggf. wie noch Straffreiheit nach dem StGB erreicht werden kann.