Ist die Strafe geringer, wenn man eine schwere Kindheit hatte?

Nicht wirklich.

Auch, wenn das landläufig als der Prototyp eines mildernden Umstands gilt, kann man damit in aller Regel keinen Richter beeindrucken. Die familiäre Prägung kann im Rahmen der „persönlichen Verhältnisse“ gemäß § 46 Abs. 2 StGB bei der Strafzumessung durchaus Berücksichtigung finden, entscheidend ist sie höchstwahrscheinlich nicht.

Und selbst dafür reicht der allgemeine Hinweis auf eine „schwere Kindheit“ sicher nicht. Es müssten wenn dann schon ganz konkrete Gesichtspunkte geltend gemacht werden, aufgrund derer der Angeklagte immer noch ein gemindertes Rechtsverständnis zeigt oder ohne sein Verschulden in eine kriminelle Laufbahn hineingezogen wurde. Ein einfacher Hinweis darauf, dass man es immer schwer hatte, hilft da sicher nicht.

Man sollte auch die Finger davon lassen, allzu offensichtlich unsubstantiiertes Mitleid schinden zu wollen. Der Richter könnte sich da leicht – Entschuldigung – verarscht vorkommen. Oder, um es juristischer auszudrücken, er könnte auf die Idee kommen, dass der Angeklagte das Unrecht seiner Tat gar nicht einsieht oder sie gar bereut.